Der Abend ist noch jung, doch er gäbe schon jetzt genügend Anlass für einen wortgewaltigen Rant in der Tradition von Georg Schramm, Jochen Malmsheimer oder Sarah Bosetti. Aber nicht von mir. Mir fehlen gerade ein wenig die Worte, und ich mag diese Sprachlosigkeit nicht.
Wenn es nicht ein Mythos wäre, dass früher alles besser war, könnte man sich glatt dieses Früher zurück wünschen. Früher, als alles unter den Tisch gekehrt wurde. Früher, als man sich nicht so anstellen sollte. Früher, als sich Dinge noch nicht schickten. Früher, als Minister*innen noch zurücktraten, wenn sie Fehlentscheidungen zu verantworten hatten. Früher, als Gerichtsurteile – wenn auch zähneknirschend – noch akzeptiert wurden. Früher, als wir dachten, ein Präsident, der Bücher verkehrt herum hielt, wäre das Dümmste, was den USA je passiert ist.
Aber wir leben im Jetzt. Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Vor dem Hintergrund, den wir Gegenwart nennen, liest sich das Treffen in Telgte ganz neu. Wir ernten, was andere gesät haben, was wir gesät haben, was wir wachsen ließen, teils ohne Argwohn, teils ohne Ahnung, teils ohne Zugang zu den Äckern, die wir hätten bestellen können statt anderen das Feld zu überlassen.
Was bleibt uns also jetzt, wenn nicht die Ohnmacht und der Rückzug in die selbst verschuldete Unmündigkeit?
Alles muss man selber machen. Unterstützen wir die, die schon damit angefangen haben.