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Sonntag, 22. März 2026 – Statt eines Rants

Der Abend ist noch jung, doch er gäbe schon jetzt genü­gend Anlass für einen wort­ge­wal­ti­gen Rant in der Tradition von Georg Schramm, Jochen Malmsheimer oder Sarah Bosetti. Aber nicht von mir. Mir feh­len gera­de ein wenig die Worte, und ich mag die­se Sprachlosigkeit nicht.

Wenn es nicht ein Mythos wäre, dass frü­her alles bes­ser war, könn­te man sich glatt die­ses Früher zurück wün­schen. Früher, als alles unter den Tisch gekehrt wur­de. Früher, als man sich nicht so anstel­len soll­te. Früher, als sich Dinge noch nicht schick­ten. Früher, als Minister*innen noch zurück­tra­ten, wenn sie Fehlentscheidungen zu ver­ant­wor­ten hat­ten. Früher, als Gerichtsurteile – wenn auch zäh­ne­knir­schend – noch akzep­tiert wur­den. Früher, als wir dach­ten, ein Präsident, der Bücher ver­kehrt her­um hielt, wäre das Dümmste, was den USA je pas­siert ist.

Aber wir leben im Jetzt. Gestern wird sein, was mor­gen gewe­sen ist. Vor dem Hintergrund, den wir Gegenwart nen­nen, liest sich das Treffen in Telgte ganz neu. Wir ern­ten, was ande­re gesät haben, was wir gesät haben, was wir wach­sen lie­ßen, teils ohne Argwohn, teils ohne Ahnung, teils ohne Zugang zu den Äckern, die wir hät­ten bestel­len kön­nen statt ande­ren das Feld zu überlassen.

Was bleibt uns also jetzt, wenn nicht die Ohnmacht und der Rückzug in die selbst ver­schul­de­te Unmündigkeit?

Alles muss man sel­ber machen. Unterstützen wir die, die schon damit ange­fan­gen haben.

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