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*.txt

3.txt | abgrundtief

Vorwort: Dies ist der drit­te Teil eines grö­ße­ren Projekts. Ich möch­te im Rah­men von *.txt an die­sem Anfang immer wei­ter schrei­ben. Eine Idee habe ich im Kopf, aber wohin *.txt mich beglei­ten wird, das weiß ich nicht. Ich bin gespannt.

Köln, Hohenzollernbrücke. Der Nebel, der auf­ge­zo­gen war, wäh­rend wir das erlö­sen­de Signal zur Weiterfahrt erwar­tet hat­ten, liegt so schwer über der Stadt, dass ich weder das lin­ke, noch das rech­te mit Vorhängeschlössern bela­de­ne Absperrgitter zu den Fußwegen sehen kann. Der Zug schleicht gen Hauptbahnhof, dabei wäre es ohne­hin zu spät, wenn der Lokführer erst jeman­den auf den Gleisen erblickt hät­te. Erst, als wir die neo­go­ti­sche Stahlspitzbogenkonstruktion errei­chen, wer­den die Sichtverhältnisse ein wenig bes­ser.
„Meine Damen und Herren, bit­te beach­ten Sie fol­gen­den Hinweis.“ Ich ahne, was kommt, und schaue ver­son­nen zu mei­nen Mitreisenden, wie sie zur Kenntnis neh­men müs­sen, dass der Zugverkehr wit­te­rungs­be­dingt vor­erst ein­ge­stellt wird. Es dau­ert einen Moment, ehe die Erkenntnis ein­setzt, doch die­se kur­ze, über­ra­schen­de Stille ist die Aufregung wert, die ihr nach­folgt. Ich kra­me mei­ne Kopfhörer aus der lin­ken Jackentasche und stop­fe sie mir in die Ohren. Knick, der Klinkenstecker ras­tet in mein Smartphone ein. Was will ich hören? Regina Spektor? Nein. Kraftklub? Nein. Dick Brave And The– Nein. Ich scrol­le durch die gespei­cher­ten Alben, über­flie­ge Titel um Titel, Jean-Philippe Rameau, Dardanus, ein­ge­spielt von den Musiciens du Louvre unter Marc Minkowski, das soll es sein: Feuer und Form, Rhythmus und erha­be­ne Gelassenheit. damit im Ohr kann ich mich den auf­fla­ckern­den Erinnerungen an den gest­ri­gen Abend stel­len.

Dein so erstaun­ter letz­ter Blick brennt wie Saurons Auge in mei­nem Kopf. Du schienst so über­rascht, nach all den Wochen zuvor, und das muss­test du auch sein, denn ein Zeichen, dass es so mit dir enden wür­de, hat­te ich dir nie gege­ben, im Gegenteil: Ich muss­te es für dich urplötz­lich erschei­nen las­sen, gleich­wohl es von Anfang an mein Plan gewe­sen war, denn eigent­lich hät­te ich kei­ne Chance bei dir gehabt.
Wenn ich jetzt nur dar­an den­ke, wird mir schlecht. Mit Entsetzen spü­re ich, wie mei­ne Latte im Hosenbein pocht. Ich bin doch ein kran­kes Stück Scheiße. Mit einem Mann im Bett, was hat­te ich mir dabei nur gedacht? Wahrscheinlich nichts. Nur Gefühl war da, ganz viel gefühl. Ja, ich habe dich erwürgt, getö­tet als du kamst. Im Kommen bist du gegan­gen, du soll­test mir dank­bar sein. Es fiel mir so leicht.

Wei­te­re Bei­trä­ge fin­det ihr bei Domi­nik.

Die vori­gen Tei­le mei­ner Geschich­te fin­det ihr hier.

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